Die Naive Malerei – Einordnung in die Epochen der Malerei
Was ist Naive Malerei?
- Merkmale: Vereinfachte Formen, flache Perspektive, klare Umrisslinien, oft kindliche oder volkstümliche Bildsprache, unbekannte oder geringe formale Ausbildung der Künstler.
- Motive: Alltagsleben, ländliche Szenerien, religiöse bzw. mythische Szenszenen, häufig aus dem unmittelbaren Umfeld der Künstler.
Historischer Hintergrund
- Entstehung: Naive Malerei entsteht vor allem außerhalb der akademischen Kunstwelt, oft von autodidaktischen Künstlerinnen und Künstlern geschaffen.
- Häufigkeit: Besonders verbreitet in Volkskunst-Traditionen, Künstlerkolonien oder isolated Communities; auch eingenständige Positionen innerhalb der Moderne.
Einordnung innerhalb der Kunstgeschichte
- Nicht eine „klassische Epoche“ im engen Sinn, sondern eine eigenständige Gattung/Verschiebung innerhalb der Moderne.
- Nähe zu Realismus/Naiver Folklore: Weg von akademischen Maßstäben, hin zu subjektiver Bildwelt und direkter Ansprache.
- Verbindungen zu modernen Strömungen:
- Wegbereiter für Outsider Art (Art Brut): Künstler ohne formale Ausbildung, oft außerhalb des Kunstsystems.
- Einfluss auf derartige Positionen in der Moderne: Alexander Thiele, Henri Rousseau (oft als Naive betrachtet, obwohl er selbst eine komplexe Position hatte),Current outsider-exploration.
- Rezeption im 20. Jahrhundert: Interessensgebiet von Sammlern, Museen für Volkskunst; Einfluss auf Pop- und naive Kunst-Bewegungen.
Typische Merkmale im Vergleich zu anderen Epochen
- Perspektive: Flache Raumdarstellung, oft ohne korrekte Proportionen.
- Detailgrad: Vereinfachte Formen, handwerklich-direkte Malweise.
- Farbgebung: Oft kräftige, reiche Farben, weniger auf realistische Lichtführung bedacht.
- Motivation: Subjektive Sicht auf Welt, weniger akademische Ideale von Schönheit oder Idealform.
- Technik: Traditionelles Malen außerhalb akademischer Lehrstrukturen; gelegentlich spontane oder naïve Techniken.
Verortung im Epochen-Spektrum
- Man kann Naive Malerei als „Position außerhalb der klassischen Epochen“ auffassen, aber stilistisch beeinflusst sie:
- Von Realismus und Romantik (Subjektivität, Alltagsleben)
- Von modernen Strömungen wie Outsider Art
- Von Volkskunst-Traditionen regionaler Kulturkreise
- In Lehrmaterialien wird sie oft separat behandelt, oder als Randströmung innerhalb der Moderne aufgefasst.
Beispiele/Bezüge
- Internationale Beispiele: Selbstständig arbeitende Naive Künstlerinnen und Künstler aus verschiedenen Ländern; Werke in Sammlungen von Volkskunst oder Outsider Art-Galerien.
- In der Kunstgeschichte wird Rousseau häufig diskutiert, ob er als naive oder selbstständige naive Position gilt; andere naive Künstler bleiben oft regional im Fokus.
Einordnung für Lehr- und Forschungszwecke
- Zweck der Einordnung: Verständnis der Vielfalt künstlerischer Bildwelten jenseits der akademischen Malerei; Reflexion über Autodidaktik, Subjektivität und interkulturelle Kunsttraditionen.
- Nützliche Vergleichspunkte: Raumwahrnehmung, Farbgebrauch, Motivik, Ausbildung/Herkunft, Rezeption in Museen.
Zusammenfassung
- Die Naive Malerei ist eine eigenständige Gattung innerhalb der
Moderne, außerhalb der klassischen Epoche-narrativen Einordnungen. Sie
betont Subjektivität, spontane Bildsprache und Volkstümlichkeit und
steht in engem Bezug zu Outsider Art und Volkskunst-Traditionen. In
Lehrwerken wird sie oft separat behandelt, da sie konzeptionell und
historisch von den akademisch-professionellen Epochen abweicht.